Was bedeutete der Ausbruch des Ersten Weltkriegs für die Menschen?
Für die Frauen bedeutete er zunächst sicherlich die Notwendigkeit, die Männer zu ersetzten. In Tirol wurde schon in der ersten Kriegshälfte ein Drittel der Männer, die in der Landwirtschaft tätig waren, einberufen. Das heißt konkret, dass sie weg waren und von den Frauen ersetzt werden mussten. Grundsätzlich hat es zu Beginn des Krieges gerade in den Städten eine große Kriegsbegeisterung gegeben, die Frauen waren da nicht ausgenommen. Es gab nur eine kleine radikale Gruppe von Frauenvereinen, die sich gegen den Krieg äußerten und das auch durch alle Kriegsjahre durchzogen. Die anderen schlossen sich gleich am Anfang, bereits im Juli 1914, zur sogenannten Frauenhilfsaktion im Kriege zusammen und warben für den Krieg.

Das heißt, dass auch die feministischen Vereine eine gespaltene Haltung zum Krieg hatten?
Die feministischen Vereine waren eigentlich die einzigen, die eine pazifistische Haltung vertraten bzw. es waren die einzigen Vereine, in denen es Pazifistinnen gab. Aber die große Mehrzahl der Frauen war eigentlich für den Krieg. Als der Krieg ausbrach, wurden die Frauenanliegen, die feministischen Frauenanliegen wie z. B. das Frauenwahlrecht, zurückgestellt. Die Atmosphäre war schon vor dem Ausbruch des Krieges ziemlich nationalistisch aufgeheizt und das war auch der Grund, warum der Erste Weltkrieg so positiv aufgenommen wurde. Man muss auch bedenken, dass die Frauen, die in Frauenvereinen und feministischen Kreisen aktiv waren, aus intellektuellen Kreisen stammten und die intellektuellen Kreise waren die kriegsbegeisterten Kreise. Während es in den anderen Schichten, in den unteren Schichten und in den Regionen am Rande des Reiches keine Kriegsbegeisterung gab, sah man in den intellektuellen Kreisen den Krieg vielfach als Reinigung, als Neuanfang und als eine Möglichkeit, die Karten neu zu mischen. Man rechnete natürlich nicht damit, dass der Krieg so lange dauern würde. Das war im August 1914 noch nicht absehbar. Es herrschte die Vorstellung vor, dass bis zu Jahresende alles vorbei sein würde.

Wie änderte sich dann die Stimmung? Und gab es geschlechtsspezifische Unterschiede?
Wichtige Faktoren für die veränderte Stimmung und die Ernüchterung waren die Verabschiedung der Blitzkriegsidee und der Hunger. Letzterer setzte ziemlich schnell ein, also schon 1915. Der Krieg steckte fest, es gab einen Stellungskrieg, gerade an der Westfront, dann bald auch an der Ostfront. Es ging nicht viel weiter und man merkte, dass man sich auf eine längere Zeit der Entbehrung einstellen musste und die Entbehrungen waren dann tatsächlich groß. 1915 kam es mit der Blockade der Alliierten zu Rohstoffmängel für die Bekleidungs- und die Nahrungsmittelindustrie. Tirol war sehr betroffen, weil es gerade hinsichtlich der Nahrungsmittel nicht autark war. Hier war man auf das Hinterland der Monarchie angewiesen. Es kam ziemlich bald zu Engpässen und Rationierungen von Lebensmitteln. Es wurden Lebensmittelkarten ausgegeben. So kamen Unmut und Proteste auf. In der ersten Zeit wirkte noch die Propaganda. Hier setzte man vor allem auf die Frauen. Im Diskurs wurde mit sehr traditionellen Geschlechterrollen operiert: Auf einer Seite sind die heldenhaften Männer, die für die Frauen und Kinder in den Krieg, an die Front, ziehen und bereit sind, „im Feld“ ihr Leben zu lassen. Auf der anderen Seite sind die Frauen, die das alles stützen und die an der Heimatfront patriotisch ihre Männer in diesem „heldenhaften Krieg“ unterstützen. Mit Voranschreiten des Krieges fing diese Idee jedoch zu bröckeln an. Die Frauen mussten viel mehr tun als stützen. Sie mussten die Männer ersetzen und die Familien weiterbringen. Sie mussten vor allem in der Kriegsindustrie aktiv werden oder zu Hause den Betrieb führen. Überhaupt war es ein schwieriger Balanceakt, nicht zu viele Männern aus der kriegswichtigen Industrie abzuziehen und einzuberufen. Diese Arbeitskräfte mussten ersetzt werden um die Kriegswirtschaft am Laufen halten zu können. Deshalb wurden in der kriegswichtigen Industrie, die es auch in Tirol gab, etwa im Bereich der Textil- oder die Nahrungsmittelproduktion, Frauen eingesetzt. Es kam aber für sie nicht zu einer Besserstellung der Lebenslage, etwa zu Lohnerhöhungen, sondern im Gegenteil zu einem Lohndumping. Der Arbeitsschutz wurde teilweise aufgehoben, die Frauen mussten Nacht- und Schichtarbeit leisten. Das Thema ist komplex: Wenn vor dem Krieg bis zu 40% der Frauen im Bereich des Tourismus und des Gastgewerbes tätig waren, brach mit dem Krieg der Tourismus gänzlich zusammen. Das führte sogleich zu einer hohen Frauenarbeitslosigkeit, die große Einschränkungen und Entbehrungen zur Folge hatte.

Nutzte der Krieg der Frauenemanzipation und trug er dazu bei, sie voranzutreiben?
Das wird heute in der Forschung differenziert gesehen. Einerseits gab es eine Zementierung der Geschlechterrollen durch die Propaganda und die präsentierten Geschlechterbilder, die sehr konservativ waren. Es gab sogar die Vorstellung, dass der Krieg die angebliche Unordnung, die vor dem Krieg geherrscht hatte, die übermäßige Freiheit der Frauen usw. wieder in Ordnung bringen würde. Aber die Realität war eine andere. Denn genau diese Ordnung funktionierte nicht mehr. Die Frauen mussten, wie gesagt, die Männer ersetzen und waren auf sich gestellt, die Männer waren an der Front. Man sprach zum ersten Mal von einem „totalen Krieg,“ das hieß auch, dass die Abgrenzung zwischen „Front“ und „Heimat“ aufgehoben war. Das Hinterland wurde zur sogenannten „Heimatfront“, weil sie für den Krieg arbeiten musste, damit dieser (als industrialisierter Krieg) funktionieren konnte. Der „totale Krieg“, das bedeutet die Aufhebung der Abgrenzung zwischen Front und Heimat und die Industrialisierung des Krieges, der keine Grenzen mehr im Einsatz von Munition und Panzern usw. kannte. Für die Männer gab es in diesem Rahmen nicht mehr die Möglichkeit, die Heimat, die eben zunehmend Teil von Krieg und Front war, zu schützen. Sie konnten somit weder die Beschützerfunktion noch die Ernährerfunktion wahrnehmen. Auf diese Weise war die traditionelle Geschlechterordnung eigentlich komplett aufgehoben, obwohl die traditionellen Rollen diskursiv weitergeführt wurden. Deshalb kann man die Frage der Emanzipation der Frauen nicht so leicht allein an ihrer Erwerbstätigkeit festmachen. Diese wurde nach dem Krieg erstens ziemlich schnell rückgängig gemacht – manche Betriebe verlangten schon bei der Einstellung der Frauen einen Entlassungsbrief vor, der nach dem Krieg sofort in Kraft trat – und auch bei den öffentlichen Betrieben, bei den Straßenbahnen etwa, wurde die Frauen nach dem Krieg teilweise sofort entlassen. Es war einfach klar, dass, wenn die Männer wieder zurückkommen, die Frauen aus dem Betrieb wieder draußen sind. Man spricht in diesem Fall deshalb von „Emanzipation auf Leihbasis“. Tatsächlich gab es nach dem Krieg, wie gesagt, auch diese starke Tendenz zurück zur „wahren Ordnung“ zu kehren. Das hieß: Männer wieder hinein in die Berufe, Frauen wieder zurück in den Privatbereich. Man sah das auch als eine Möglichkeit, vom Chaos, von dem ganzen Leid, das man erlebt hatte, wegzukommen. Es gab so viele Kriegsversehrte, alle hatten gehungert, die Frauen und die Kinder, es hatte in Tirol, vor allem im Trentino, sogar Hungertote gegeben.

Wie wirkten sich Hunger und Mängel auf den Krieg und die Menschen aus?
Die Not war vor allem in den Frontgebieten groß. Dort wurden auch große Teile der Bevölkerung evakuiert. Es ist unglaublich, was diese Menschen erleiden mussten. Die Frauen waren gerade in diesen Gebieten sehr gefordert, auch im Kriegsdienst, z.B. als Trägerinnen bzw. als „portatrici“ an der Gebirgsfront. Hier wurden sie in großer Zahl eingesetzt. Wegen der Blockade hat der Hunger das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn in besonderem Maße getroffen, auch weil diese Länder so abhängig von kolonialen und englischen Importen waren. Während sich beispielsweise England und Frankreich gegenseitig unterstützten, war man insbesondere in Tirol vollkommen abhängig von der Einfuhr von Lebensmitteln. Zwar ging es den Bauern versorgungsmäßig besser, doch auch sie hatten Schwierigkeiten, ihre Produktion aufrechtzuerhalten, eben weil die Männer weg waren und die Frauen sich, allein, schwer taten. Zum Teil bekamen sie Kriegsarbeiter zugewiesen, das heißt Kriegsgefangene, die ihnen auf den Höfen bei der Arbeit halfen. Doch auch die bedeuteten ein Riesenproblem. Es war eine sensible Geschichte, weil die Kriegsgefangenen aufgrund der Streulage der Höfe nicht kontrolliert werden konnten. Die Idee war nämlich die, dass es zwischen der Bevölkerung und den Kriegsgefangenen keine persönlichen, nur arbeitsmäßige Kontakte geben sollte. Das war aber nicht möglich, denn diese Arbeiter wohnten ja auf den Höfen und wurden aufgrund der gemeinsamen Arbeit in den Familien integriert und das sollte vermieden werden. Man fürchtete die Aufweichung des Freund-Feind-Schemas, also die Fraternisierung mit dem Feind. Frauen, die sich auf Beziehungen mit Kriegsgefangenen einließen, wurden öffentlich gebrandmarkt. Was produziert wurde, auch die Tiere auf einem Bauernhof, das Essen, alles wurde kontingentiert. Lebensmittelkarten wurden eingeführt und die tägliche Ration von Kalorien wurde halbiert. 1917 hatte eine Person beispielsweise einen Achtelliter Milch pro Woche zur Verfügung.

Wie beeinflusste der Krieg die persönlichen Beziehungen?
Es war sehr unterschiedlich. Eine generelle Tendenz war die große Verunsicherung der Frauen. Die Feldpostbiefe sprechen diesbezüglich Bände. Die Frauen mussten alle Entscheidungen selbst treffen und die gesamte Verantwortung für die Familien und Betriebe alleine tragen. Ziemlich schnell kamen auch die Ernüchterung und die Überforderung. Im bäuerlichen Bereich mussten sie beispielsweise entscheiden, wann die Aussaht erfolgen sollte und um wie viel welche Kuh verkauft werden sollte. Die Männer hingegen hatten eher das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, die Unsicherheit nicht mehr der Herr im Haus zu sein. Auch das Sexuelle spielte eine Rolle, ob man sich treu geblieben war usw. Hierbei stellten die Kriegsgefangenen vielfach ein Problem dar. Das Problem war groß, weil es natürlich auch sexuelle Kontakte gab und die Propaganda war riesengroß, auch seitens der Kirche. Man sah die Moral in Frage gestellt, aber der Kontakt zu fremden Männern, zum Feind war auch sozusagen aus „ethnischer“ Sicht ein Problem, weil man befürchtete, dass die Freund-Feind Dichotomie aufgehoben werden würde, dass sich Frauen mit dem Feind einlassen und damit Verrat an der eigenen Sache üben würden. Diese „Verschmutzung“, die auch bei der Vergewaltigung eine große Rolle spielt, wenn man mit der Vergewaltigung der Frauen den Feind treffen will. Den Kriegsgefangenen, die auf die Höfe verteilt wurden, die weit verstreut waren konnte nichts Besseres passieren, ihnen ging es viel besser als jenen, die in den Baracken leben mussten. Dort hatten sie zu essen und ihre Ruhe. Manche konnten so über den Krieg kommen. Aber für die Kriegsbehörden war es ein schwieriges Thema. Die einberufenen Männer litten unter dem Kontrollverlust und viele erlitten traumatische, oft verheerenden Kriegserlebnissen. Ihnen wurde gänzliches Unverständnis entgegen gebracht: Die Kriegszitterer wurden sofort wieder an die Front geschickt. Nach dem Krieg gab es zahlreiche Invaliden, Kriegsversehrte und viele psychisch Kranke. Man wusste nicht, wie man mit ihnen umgehen sollte. Das war dann wirklich ein ganzes Paket, das alle mittragen mussten. Die Kriegszitterer waren übrigens die ersten Männer, die als Hysteriker bezeichnet wurden. Der Terminus „Hysterie“ wurde im Sinne von Simulation gebraucht, der Begriff bedeutet auch „körperliche Simulation“. Das Leiden dieser Menschen wurde überhaupt nicht anerkannt. Außerdem herrschte nach dem Krieg das Bedürfnis zu vergessen, alles zuzuschütten, deshalb waren diese Kriegsversehrten, allein schon vom Bild her, ein Störfaktor.

Wie trugen Frauen, der Propaganda entsprechend, zum Krieg bei?
Außer als Arbeiterinnen in verschiedenen Berufen und in der Kriegsproduktion auch in Wohltätigkeitsvereinen. Das ist ein großer Bereich, der sehr ernst zu nehmen ist. Das war nämlich nicht nur „einfache“ Wohltätigkeit. Die verschiedenen Frauenvereine taten sich zu einer großen „Hilfsaktion im Kriege“, wie diese Wohltätigkeit genannt wurde, zusammen. Diese Hilfsaktion im Krieg organisierte außerordentlich viel, z.B. die „Labedienste“ auf den Bahnhöfen, das heißt, dass sie Essen und Trinken auf den Bahnhöfen bereit stellten, sie übernahmen die Verpflegung der Verwundeten, produzierten und organisierten die „Liebesgaben“, das heißt Pakete für die Soldaten an der Front mit gestrickten und genähten Kleidungsstücken für den Winter wie etwa Unterwäsche, Socken, Mützen usw. und mit Lebensmitteln. Das war sehr wichtig. Sie machten das sehr kapillar. Schulen, das heißt Kinder, waren hier auch miteinbezogen. Diese Tätigkeiten wurden während des gesamten Krieges durchgezogen. Sie betrieben aber auch solche Dienste wie die „Hungerküchen“, öffentliche Ausspeisungen, die eminent wichtig waren, damit die Armen wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag bekommen konnten. Sie engagierten sich in der Wöchnerinnen- und Säuglingspflege. Außer im Bereich der Wohltätigkeit waren Frauen in großer Zahl auch als Krankenschwestern tätig. Es gab an die 50.000 Krankenschwestern. Die Krankenschwestern waren zumeist im Rahmen des Roten Kreuzes, aber nicht nur, organisiert. Sie mussten einen dreiwöchigen Einführungskurs absolvieren. Die Krankenschwestern arbeiteten hauptsächlich ehrenamtlich. Oft kamen diese Frauen aus adeligen und bürgerlichen Kreisen und konnten es sich leisten, ehrenamtlich zu arbeiten. Das wurde als patriotischer Beitrag zum Krieg betrachtet. Die Rotkreuzschwester war das weibliche Pendant zum Soldaten. Darüber hinaus gab es auch die „Etappenhelferinnen“. Sie wurden hingegen bezahlt. Die Etappenhelferinnen arbeiteten in den Gebieten gleich hinter der Front, dort wo alles organisiert wurde: der Nachschub, die gesamte Versorgung der Heerestruppe, die Küche... Diese Frauen kamen in der Mehrheit aus der Unterschicht. Sie wurden wie die Soldaten organisiert. Im Ersten Weltkrieg gehörten sie noch nicht der Armee an, später, im Zweiten Weltkrieg dann schon, da gab es die Wehrmachtshelferinnen, die zum Heer gehörten. Doch auch im Ersten Weltkrieg wurden sie vom Staat angestellt. Sowohl die Etappenhelferinnen als auch die Rotkreuzschwestern meldeten sich anfangs als Freiwillige, aber bereits ab 1915 wurden sie zwangsrekrutiert. Im Trentino gab es Trägerinnen, die auf der österreichischen Seite arbeiteten. Es gab dort Polemiken, dass die Italienerinnen weniger geschont würden als die deutschsprachigen Frauen.

Solidarisierten sich die Frauen in den Dörfern und Städten oder handelten sie eher einzeln und für sich allein?
Es gab beispielsweise Protestaktionen, die von Frauen getragen wurden. Die öffentliche Äußerung von Unmut gab es eigentlich ein wenig überall, in Meran, Bozen, Trient usw. Ich denke, diese haben sich unter anderem aus dem ständigen Schlangestehen um Lebensmittel ergeben. Es waren eher spontane Aktionen.

Gab es im Krieg auch Prostitution? War es für Frauen eine Art und Weise, um überleben zu können?
Über die verdeckte Prostitution wissen wir nicht viel, da gab es wohl eher einen Rückgang. Sicher ist, dass es viel Prostitution wegen des Krieges gab, eine Kriegsprostitution eben. Das heißt, nicht so sehr der Aspekt, dass Frauen sich prostituiert haben, um sich durchs Leben zu schlagen, sondern, dass der Staat Bordelle für die Soldaten in der Etappe, also in der Zone vor der Front organisiert hat. Das ist nachgewiesen. Während es auf der einen Seite einen breiten Diskurs über die Moral hinsichtlich der Frauen und den Kriegsgefangenen gab, machte man sich um das sexuelle Wohlergehen der Soldaten Sorgen, eben indem man Kriegsbordelle einrichtete. Das hat es zahlreich gegeben auch an der österreichischen Front und zwar sowohl für die Offiziere als auch für die einfachen Soldaten. Es waren staatlich geführte Bordelle. Zu diesem Thema müsste man noch arbeiten. Eklatant ist jedenfalls die Doppelmoral.

Das Frauenwahlrecht wurde dann in Österreich 1919 und 1946 in Italien eingeführt.
Ja, die Forderung des Frauenwahlrechts war schon vorher in vielen Ländern sehr stark gewesen. Es gibt nach dem Krieg vielerorts diese direkte Argumentation, dass Frauen ja so tapfer mitgekämpft hatten, dass man ihnen das Wahlrecht jetzt nicht vorenthalten könne. In anderen Orten wie in Deutschland gab es genau die umgekehrte Argumentation, nämlich, dass die Frauen den Krieg verloren hätten oder Schuld gewesen wären, dass der Krieg verloren wurde. Das war die Dolchstoßlegende: Wegen der Hungerproteste, die sie veranstaltet hätten und wegen ihrer zu geringen Unterstützung. Um das Frauenwahlrecht gab es eine große Diskussion. Vielerorts wurde argumentiert, dass das Wahlrecht den Frauen für ihren Einsatz im Ersten Weltkrieg zustehe, als Prämie sozusagen. In Italien war das eine andere Geschichte. Der Faschismus entstand hier als eine Bewegung der Erneuerung. Mussolini kokettierte am Anfang mit dem Frauenwahlrecht. Danach ließ er es wieder fallen, da es eigentlich nicht in das traditionelle Geschlechterbild des Faschismus passte, außerdem war das Frauenwahlrecht dann, nachdem alle politischen Rechte aufgehoben wurden, komplett vom Tisch. In Italien wurde das Frauenwahlrecht erst nach dem 2. Weltkrieg eingeführt.

Was möchtest du abschließend zum Ersten Weltkrieg hinzufügen?
Der Erste Krieg war für Frauen wie für Männer eine unglaubliche Herausforderung, er forderte viele Opfer und es brauchte Jahre, um ihn halbwegs zu verarbeiten. Der Erinnerungshype im Gedenkjahr 2014/2015 hat gezeigt, das es noch ein großes Bedürfnis von Seiten der Menschen gibt, diesen ersten „totalen Krieg“ zu verstehen.

Autora

Ingrid Runggaldier
Redadeura

Son de Urtijëi, é studià anglistica/americanistica y germanistica a Dispruch, de prufescion sons tradutëura (dantaldut tl ladin) y lëure tl Ufize Cuestions Linguistiches dla Provinzia autonoma de Bulsan. Ie me nteressei de cultura n generel, plu avisa de rujenedes, de leteratura, de “mendranzes” d’uni sort – da chëles linguistiches a chëles sozieles, religëuses y de pensier. Ti ultimi ... >>