Bärbel Praun ist eine Fotografin, die in ihrer Diplomarbeit die Dolomiten in einer seltsamen und ungewöhnlichen Weise fotografiert hat. Die Berge, wie wir sie gut kennen, während der touristischen Saison, aber vor allem in der Nebensaison, wenn wir das Gefühl haben, ihnen bis in die Tiefe zu gehören. Gana traf Bärbel in Wien, wo sie momentan arbeitet und hat einige ihrer Eindrücke zum Thema Berge so wie das Fotografieren aufgenommen. Mehr zur Person und den Arbeiten auf ihrer Webseite: www.baerbelpraun.de

Die Berge fotografieren
Für meine Diplomarbeit ‚gruss und kuss, die berge sind schön‘ bin ich 2006 neun Wochen lang in der Schweiz, in Österreich und Italien herumgereist. Das Konzept war einfach: ich habe touristische, viel besuchte Destinationen in den Alpen aufgesucht, Aussichtspunkte, Gipfel, Skigebiete und Bergrestaurants - zu Zeiten, zu denen kein Mensch anwesend war. Diese Arbeit erzählt von unserer Faszination und Sehnsucht nach der Wildnis, dem Erhabenen auf der einen Seite und unserer Erwartungshaltung gegenüber der Landschaft als Produkt und Hintergrundkulisse auf der anderen Seite. Seit dieser Serie haben mich die Berge nicht mehr losgelassen und sind nach wie wichtiger Bestandteil meiner Arbeiten (wie z.B. in meiner aktuellen Serie ‚this must be the place‘, 2015).
Erinnerungen an die Dolomiten
In den Dolomiten habe ich in der Nebensaison, im Mai, fotografiert. Viele Bergdörfer waren wie ausgestorben, es hat noch häufig geschneit, vielleicht habe ich auch deswegen die Landschaft dort als besonders einsam und verzaubert in Erinnerung. Auf zwei Wanderungen haben wir uns inmitten von Schneefeldern verirrt, ein wahres Abenteuer. Diese Fotos sind an einem Morgen mit weichem, pastelligen Licht entstanden und ich kann mich noch erinnern, wie ich mich gefreut habe - alles war wie für mich arrangiert!
Was ist ein Foto
Das Foto ist eines der am häufigsten verwendeten Medien unserer heutigen Zeit und Ursache unzähliger Diskurse hinsichtlich dessen Bedeutung, Wahrheitsgehalt, Verbreitung etc. Mir fällt hier die altgriechische Bedeutung des Wortes Fotografie ein: mit Licht malen.
Was kann ein Foto ändern
Ein Foto kann durch seinen abgebildeten Inhalt, durch Komposition und Ästhetik Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, informieren, eine Geschichte erzählen, es kann zum Staunen, Träumen anregen und Erinnerungen wachrufen.
Deine Fotos gestern und heutzutage
Meine fotografischen Arbeiten sind wie ein Prozess und gehören inhaltlich zusammen. Themen wie Landschaft und Lebensräume, aber auch die Frage nach Herkunft und die Bedeutung von Zuhause ziehen sich durch alle meiner Serien. Die Bildsprache, Ausdrucksweise, in der ich meine Geschichten erzähle, hat sich verändert, ich empfinde sie heute weniger dokumentarisch und nüchtern, dafür freier und poetischer.
Deine Lieblingsfotografen
Oh, es gibt so viele gute Fotografen!
Die Fotografien der Amerikanerin Roni Horn, die meist in magisch-mystischen Installationen mit Objekten und Zeichnungen kombiniert sind, finde ich schon seit Jahren sehr beeindruckend und faszinierend. Im Moment setze ich mich sehr mit dem Medium des Fotobuches auseinander und zuoberst auf dem Stapel liegen die Arbeiten der schwedischen Fotografen Marten Lange und Gerry Johansson.